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Präsentieren die Neuerscheinung in der Gedenkstätte Ahlem (v. l.): Renate Riebe, Hans-Dieter Schmid, Frank Treu und Marlis Buchholz (Foto: Region Hannover)
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Erinnerungen von Fritz Treu: „Irgendwie habe ich immer Glück gehabt“

Buchpräsentation in der Gedenkstätte Ahlem am 19. Mai:

Seelze – Neu erschienen in der Schriftenreihe der Gedenkstätte Ahlem: „Irgendwie habe ich immer Glück gehabt“, die Lebenserinnerungen von Fritz Treu.

Der Hannoveraner jüdischer Herkunft überlebte den Holocaust und emigrierte später in die USA. Das Buch wird vorgestellt am:

Sonntag, 19. Mai 2019, 15 Uhr,
in der Gedenkstätte Ahlem,
Heisterbergallee 10, 30453 Hannover.

Frank Treu mit den Lebenserinnerungen seines Vaters Fritz Treu in Buchform (Foto: Region Hannover)

Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht. Medienvertreterinnen und -vertreter sind zur Buch-präsentation herzlich eingeladen. Die facettenreiche Lebensgeschichte von Fritz Treu ist eng verbunden mit der Stadt Hannover und der Gartenbauschule Ahlem.

1904 als Sohn jüdischer Eltern geboren, ließ sich Fritz Treu mit 13 Jahren taufen. Die Patenschaft übernahm Hannovers Stadtdirektor, Heinrich Tramm – eine von mehreren glücklichen Fügungen, die dazu führten, dass Treu die Judenverfolgung überleben konnte.

1939 trat er – noch freiwillig – die Stelle als Hausmeister in der Gartenbauschule an, ehe seine Tätigkeit in Ahlem in den 1940er Jahren zu einer von der Gestapo überwachten Zwangsarbeit wurde.

Im Februar 1945 wurde er nach Theresienstadt deportiert, überlebte die Wirren des Kriegsendes im Ghetto mit viel Glück und kehrte nach Hannover zurück. 1951 wanderte Fritz Treu mit seiner Familie in die USA aus, wo er 1993 starb.

Seinem Sohn Frank ist es zu verdanken, dass die Lebenserinnerungen von Fritz Treu der Nachwelt als wichtiges Zeitzeugnis erhalten geblieben sind. Im Jahr 1986 schenkte er seinem damals 82-jährigen Vater einen Kassettenrekorder, damit dieser seine Geschichten auf Band sprechen konnte.

„Als Papa mir die Kassetten übergab, nahm ich sie mit auf die Fahrt von und zur Arbeit und hörte zu, lachte und schüttelte ungläubig den Kopf und weinte. Es gab so viele Informationen, von denen ich wusste, aber keine Hintergründe hatte, und so viel, was ich nicht wusste und nicht ahnte“, erinnert sich Frank Treu.

Nach dem Tod seines Vaters brachte er die Erinnerungen zu Papier und verschickte 1998 eine englische Ausgabe als Privatdruck an Angehörige und Freunde.

„Wir freuen uns sehr, dass wir die Geschichte von Fritz Treu jetzt, mehr als 20 Jahre später, in einer deutschen Ausgabe für die Öffentlichkeit nachlesbar machen können“, erklärt Marlis Buchholz von der Gedenkstätte Ahlem.

Gemeinsam mit der Historikerin Renate Riebe hat sie die mehr als neun Stunden Material transkribiert und in Buchform gebracht.

„Bei der Arbeit hat uns vor allem die Form der Erzählung beeindruckt: drastisch und direkt, aber trotz allem optimistisch, witzig und mit unverkennbar hannöverschem Zungenschlag“, berichtet Buchholz.

Bei der Buchpräsentation werden Frank Treu und seine Ehefrau ebenso wie drei Enkelkinder von Fritz Treu zugegen sein. Auch der Ich-Erzähler selbst kommt zu Wort – in Form von Ausschnitten seiner auf Band gesprochenen Erinnerungen.

SCN/kk

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